{"id":2968,"date":"2015-01-24T09:52:50","date_gmt":"2015-01-24T09:52:50","guid":{"rendered":"http:\/\/51133697.de.strato-hosting.eu\/blog\/?p=2968"},"modified":"2015-01-26T23:04:54","modified_gmt":"2015-01-26T23:04:54","slug":"sehenswerte-fotoausstellung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dieter-mulch.de\/blog\/?p=2968","title":{"rendered":"Sehenswerte Fotoausstellung"},"content":{"rendered":"<p>Am 22. Januar wurde im Neuen Rathaus, Wetzlar, eine Ausstellung mit Arbeiten der Gruppe gleis3eck er\u00f6ffnet.<\/p>\n<p>Zur Einf\u00fchrung habe ich mir Gedanken zur Photographie als Kunst gemacht:<\/p>\n<p>Die Photographie, so k\u00f6nnte man denken, ist l\u00e4ngst \u201cganz oben\u201c angekommen, soll hei\u00dfen: Fotos werden in Kunstgalerien zu hohen Preisen gehandelt, bei Versteigerungen werden mit Fotos ganz unerh\u00f6rte Preise erzielt, und Fotos finden sich v\u00f6llig selbstverst\u00e4ndlich in den Sammlungen gro\u00dfer Kunstmuseen.<\/p>\n<p>Trotzdem: man sieht es selten, dass Fotos gleichrangig zwischen Gem\u00e4lden und Zeichnungen h\u00e4ngen. Man sp\u00fcrt, dass auch die Museumsleute bei der Einreihung von Fotos unter die Exponate eine gewisse Vorsicht walten lassen. Es ist, als ob das alte Vorurteil noch immer nachwirke, wonach Photographie etwas anderes sei als Kunst.<\/p>\n<p>Welche Photographie? muss man da sogleich fragen, denn nur ein winziger Teil der weltweit un\u00fcberschaubar riesigen Fotoproduktion kommt f\u00fcr unsere \u00dcberlegungen in Frage: wir wollen uns hier ausschlie\u00dflich mit solchen Fotoarbeiten befassen, die in einem k\u00fcnstlerischen Gestaltungsprozess entstanden sind.<\/p>\n<p>Und was hei\u00dft das?<\/p>\n<p>Ein Kunstwerk ist<strong> der <\/strong><strong>geformte Ausdruck einer inneren Ordnung <\/strong>des Schaffenden<\/p>\n<p>\u2013 anders gesagt: etwas Geistiges nimmt im Werk sinnlich erfahrbare Gestalt an.<\/p>\n<p>Dies l\u00e4sst sich an Rembrandts <em>Nachtwache<\/em> eben so zeigen wie an Malewitschs <em>Schwazem Quad<\/em>rat. Und schon, wenn ein Kind nur eine Ente auf einem Teich malt, vollzieht sich diese Umsetzung einer inneren Vorstellung in sichtbare Zeichen auf dem Papier.<\/p>\n<p>Das, was ich hier <em>innere Ordnung<\/em> nenne, kann man vielleicht wie eine geistige Blaupause verstehen, nach der sich die Gestaltung des Kunstwerks richtet. Was gemeint ist, hat in un\u00fcbertrefflicher Weise Caspar David Friedrich in eine Regel gefasst:<\/p>\n<p>\u201cDer Maler soll nicht blo\u00df malen, was er <strong>vor<\/strong> sich sieht, sondern auch, was er <strong>in <\/strong>sich sieht. Sieht er aber nichts in sich, so unterlasse er auch zu malen, was er vor sich sieht.\u201c<\/p>\n<p>Wenn man <em>Malen <\/em>durch <em>Ablichte<\/em>n ersetzt, gilt die Regel auch f\u00fcr Photographen:<\/p>\n<p>\u201c. . . Sieht er aber nichts in sich, so unterlasse er auch abzulichten, was er vor sich sieht.\u201c<\/p>\n<p>Unkundige w\u00fcrden jetzt wohl einwenden: Photographie kann doch nur das ablichten, was schon sichtbar vorhanden ist; wie soll denn da etwas \u201ck\u00fcnstlerisch gestaltet\u201c werden?<\/p>\n<p>Aber selbst die, die so fragen, glauben nicht ernstlich, dass Photographen das Ablichten dem Zufall und der Automatik \u00fcberlassen. Vielmehr gibt es, angefangen von der Suche nach einem bestimmten Motiv und dem Griff zur Kamera bis hin zur Pr\u00e4sentation eines gelungenen Ergebnisses, eine Kette von technischen und \u00e4sthetischen Entscheidungen, die bei jeder Ablichtung getroffen werden m\u00fcssen. Und je nach Charakter, Begabung und Erfahrung sehen die Fotos des einen anders aus als die der anderen.<\/p>\n<p>Gewiss: manchem Gelingen kommen besonders gl\u00fcckliche Umst\u00e4nde zu Hilfe; aber in der F\u00e4higkeit, solche Umst\u00e4nde im rechten Moment zu nutzen, sind die Menschen eben so verschieden wie der jeweilige Grad ihrer Erwartungshaltung und ihrer inneren Gespanntheit.<\/p>\n<p>So kommt es also zu dem, was wir beim Betrachten den <em>Ausdruck <\/em>nennen, ein Ausdruck, der ohne Worte, aber durch deutbare Zeichen zu uns spricht. Dass wir diesen Ausdruck \u00fcberhaupt wahrnehmen, ist Beweis genug f\u00fcr die k\u00fcnstlerische Gestaltungsf\u00e4higkeit mit den Mitteln der Photographie.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Den manifestartigen Internetauftritt der Gruppe findet man,<br \/>\nwenn man www.gleis3eck-fotoprojekte.de eingibt<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Am 22. 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