{"id":652,"date":"2012-06-01T18:32:55","date_gmt":"2012-06-01T18:32:55","guid":{"rendered":"http:\/\/51133697.de.strato-hosting.eu\/blog\/?p=652"},"modified":"2012-06-01T18:45:43","modified_gmt":"2012-06-01T18:45:43","slug":"lesefrucht-6","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dieter-mulch.de\/blog\/?p=652","title":{"rendered":"Lesefrucht"},"content":{"rendered":"<p><em>Das Schwein aus der Herde des Epikur<\/em><\/p>\n<p><em>Bei\u00a0 einem Landhaus in der Umgebung von Rom lebte vor [etwas mehr als] zweitausend Jahren ein Schwein, das zur ber\u00fchmten Herde des\u00a0 Epikur geh\u00f6rte.<br \/>\n<\/em><\/p>\n<p><em>Ganz und gar dem Nichtstun hingegeben, verbrachte es seine Tage und N\u00e4chte damit, sich im Schlamm des geschenkten Lebens zu suhlen und im Schmutz seiner Zeitgenossen herumzuw\u00fchlen, die es, sooft es nur ging \u2013 das hei\u00dft immer \u2013 , mit einem L\u00e4cheln bedachte.<\/em><\/p>\n<p><em>Die Esel, Maulesel, Ochsen, Kamele und anderen Lasttiere, die vorbeikamen und sahen, wie gut es von seinem Herrn behandelt wurde, missbilligten seine Lebensweise zutiefst, wechselten untereinander vielsagende Blicke und warteten hoffnungsvoll auf den Schlachttag; das Schwein aber schrieb unterdessen Gedichte gegen sie und machte sich h\u00e4ufig \u00fcber sie lustig.<\/em><\/p>\n<p><em>Es vertrieb sich ferner die Zeit, indem es Oden und Episteln verfasste, und es lie\u00df sich sogar einfallen, die Regeln der Dichtkunst aufzustellen.<\/em><\/p>\n<p><em>Nur zwei Dinge vermochten das Schwein aus der Ruhe zu bringen: die Furcht davor, seine Bequemlichkeit zu verlieren, die es vielleicht mit de Furcht vor dem Tode verwechselte, und die Launenhaftigkeit von drei oder vier weiblichen Schweinchen, die so tr\u00e4ge und sinnlich waren wie es selbst.<br \/>\n<\/em><\/p>\n<p><em>Es starb im Jahre 8 v. Chr.<\/em><\/p>\n<p><em>Diesem Schwein verdankt die Welt zwei oder drei der sch\u00f6nsten Werke der Poesie: der Esel und seine Freunde aber warten noch immer auf den Tag der Rache.<\/em><\/p>\n<p>aus: Augusto Monterroso\u00a0 \u2013\u00a0 <em>Das gesamte Werk und andere Fabeln<br \/>\n<\/em>bei Diogenes<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das Schwein aus der Herde des Epikur Bei\u00a0 einem Landhaus in der Umgebung von Rom lebte vor [etwas mehr als] zweitausend Jahren ein Schwein, das zur ber\u00fchmten Herde des\u00a0 Epikur geh\u00f6rte. Ganz und gar dem Nichtstun hingegeben, verbrachte es seine &hellip; <a href=\"https:\/\/dieter-mulch.de\/blog\/?p=652\">Weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/dieter-mulch.de\/blog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/652"}],"collection":[{"href":"https:\/\/dieter-mulch.de\/blog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/dieter-mulch.de\/blog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dieter-mulch.de\/blog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dieter-mulch.de\/blog\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=652"}],"version-history":[{"count":5,"href":"https:\/\/dieter-mulch.de\/blog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/652\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":655,"href":"https:\/\/dieter-mulch.de\/blog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/652\/revisions\/655"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/dieter-mulch.de\/blog\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=652"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/dieter-mulch.de\/blog\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=652"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/dieter-mulch.de\/blog\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=652"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}