Grußwort an die Jubilare

Dieter Mulch   –   Gedanken zum 50jährigen Abi seiner R-Klasse
1968 –– 2018

“Ist doch kein Arbeiter um seinen Lohn betrogen:
Der Lehrer lernt, und der Erzieher wird erzogen“*

Es begab sich aber zu der Zeit, da Ivo** Direktor der Wetzlarer Lotteschule war, dass mir die Leitung der Realschulklasse anvertraut wurde, die einen damals noch unüblichen Weg zum Abitur öffnen sollte. Zuvor hatte die konservative Goetheschule abgelehnt, sich der neuen pädagogischen Aufgabe zu stellen, die aber der sozialpolitisch aktive Ivo gerne für
“seine“ Schule übernahm.
Soweit das Experiment als geglückt gelten darf, verdanken wir das zum einen Ihrer Entschlossenheit, die damals noch nicht selbstverständliche Chance wahrzunehmen – zum andern meiner unvoreingenommenen Naivität und dem unprofessionellen Selbstverständnis, mit dem ich die Rolle des Lehrers spielte – etwa wie die eines Hauslehrers*** von einst.
Mit meinen damals 37 Jahren hatte ich noch gar viel zu lernen, und durch meine Prägung war ich in manchen Lebensbereichen behindert, in denen Sie mir durch Ihre anders gelaufene Entwicklung voraus waren.
Kommt hinzu, dass ich meine pädagogischen Aufgaben immer anging mit dem Schwerpunkt auf aesthetischer Weltbetrachtung und auf die Arbeit als Künstler. Die daraus folgende Offenheit und Experimentierfreude war Voraussetzung für diverse Vorhaben, die nicht zum traditionellen Schulkanon gehören. Der Ausgleich zwischen den anregenden Unternehmungen und Pflichtarbeiten konnte freilich nicht reibungslos gelingen.

Und nun?  – Der Mensch ist nie fertig – gut so! – er kann auch mit 88 noch was lernen.

*     Aus Friedrich Rückerts Lehrsprüchen
**    Dr. Hubert Ivo
***   Lehren und Erziehen als Überlebensform, weil die bis dahin erworbene Bildung
keine selbständige Existenz ermöglichte

 

 

 

2 Gedanken zu “Grußwort an die Jubilare

  1. Hut ab!

    Ich bewundere an meinen
    „Computer-Kameraden und -Kameradinnen“ die Fröhlichkeit und Neugierde der Achtzigjährigen, die einfach fragen: „Was muss ich tun?“

  2. Ich bewundere an meinen
    „Computer-Kameraden und -Kameradinnen“ die Fröhlichkeit und Neugierde der Achtzigjährigen, die einfach fragen: „Was muss ich tun?“

    So sind sie, die „Lernenden“

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