Abschied von einem lieben Freund

Ach Herbert . . .

An deinem Grab hörten wir viel Gutes über dein vielfältiges Engagement als politisch aktiver Bürger unserer Stadt, wir sangen das Lied von der Freiheit der Gedanken und streuten Blumen, aber das Loch, in dem die kleine Urne verschwunden war, lässt sich nicht verdrängen. Mich streifte kurz der Gedanke, wie dein Hundchen, Zwergschnauzer Baffi, in Zeiten deiner Abwesenheit immer so unruhig auf deine Rückkehr gewartet hatte, und wie ratlos er jetzt gewesen wäre.

Als Mensch bleiben mir wenigstens die Erinnerungen. Und die gehen zurück in die frühen 60er Jahre. Ich, der Zugereiste, lernte dich damals als einen Urwetzlarer kennen, der so viele Leute kannte und Menschen miteinander in Verbindung brachte. Fast konnte man dich einen “Freundschaftsgenerator“ nennen. Dein Naturell hat dir dabei geholfen: stets positiv gestimmt, optimistisch, den Mitmenschen heiter zugewandt und immer auf Ausgleich bedacht. Vielen, auch mir, warst du ein sehr treuer Helfer und selbstloser Förderer.

Du warst viel unterwegs, hauptsächlich beruflich als Photograph. Hast du nicht ganz früh einen 2CV Lieferwagen gefahren, das Symbol weltoffener Unbekümmertheit, und später deinen Allzweck-Bulli, den du mir gelegentlich ausgeliehen hast?

Gerne nahmst du auch spontan sich bietende Anlässe zum Reisen wahr, etwa die Fahrt zu Anna Bardis Ausstellung in Hamburg, der Besuch einer Vernissage in Ilmenau (mit denkwürdigem Aufstieg zum Kickelhahn), oder die Expedition nach Donnerskirchen am Neusiedler See, wo mal deine Photolehrerin, Annerose von Mayenburg, ihr Grundstück besichtigen wollte, …womit nur wenige von vielen Gelegenheiten erwähnt seien, an denen ich teilhatte.

War hier vielleicht ein Grundmotiv deines Lebens zu erkennen? Denn bei aller Sorge und allem Einsatz für deine geliebte Heimatstadt war immer dein Drang spürbar, nach draußen zu gehen.

Jedenfalls passten dazu deine soliden geographischen Kenntnisse, dein Interesse am Bahnwesen, deine Lust am Wandern, Radfahren und Planen von Touren. Diese Interessen wurden für dich immer wichtiger In den letzten Jahren, nachdem du dein Berufsleben beendet hattest. Sie halfen dir als Führer von Wandergruppen, und sie kamen dir bei deinen europaweiten Wanderfahrten mit Bahn und Klapprad zustatten.

Eine letzte, bereits gebuchte Reise konntest du nicht mehr antreten.

 

Herbert H.G. Wolf war 78, als er am 11.9. 2018 starb.

Grußwort an die Jubilare

Dieter Mulch   –   Gedanken zum 50jährigen Abi seiner R-Klasse
1968 –– 2018

“Ist doch kein Arbeiter um seinen Lohn betrogen:
Der Lehrer lernt, und der Erzieher wird erzogen“*

Es begab sich aber zu der Zeit, da Ivo** Direktor der Wetzlarer Lotteschule war, dass mir die Leitung der Realschulklasse anvertraut wurde, die einen damals noch unüblichen Weg zum Abitur öffnen sollte. Zuvor hatte die konservative Goetheschule abgelehnt, sich der neuen pädagogischen Aufgabe zu stellen, die aber der sozialpolitisch aktive Ivo gerne für
“seine“ Schule übernahm.
Soweit das Experiment als geglückt gelten darf, verdanken wir das zum einen Ihrer Entschlossenheit, die damals noch nicht selbstverständliche Chance wahrzunehmen – zum andern meiner unvoreingenommenen Naivität und dem unprofessionellen Selbstverständnis, mit dem ich die Rolle des Lehrers spielte – etwa wie die eines Hauslehrers*** von einst.
Mit meinen damals 37 Jahren hatte ich noch gar viel zu lernen, und durch meine Prägung war ich in manchen Lebensbereichen behindert, in denen Sie mir durch Ihre anders gelaufene Entwicklung voraus waren.
Kommt hinzu, dass ich meine pädagogischen Aufgaben immer anging mit dem Schwerpunkt auf aesthetischer Weltbetrachtung und auf die Arbeit als Künstler. Die daraus folgende Offenheit und Experimentierfreude war Voraussetzung für diverse Vorhaben, die nicht zum traditionellen Schulkanon gehören. Der Ausgleich zwischen den anregenden Unternehmungen und Pflichtarbeiten konnte freilich nicht reibungslos gelingen.

Und nun?  – Der Mensch ist nie fertig – gut so! – er kann auch mit 88 noch was lernen.

*     Aus Friedrich Rückerts Lehrsprüchen
**    Dr. Hubert Ivo
***   Lehren und Erziehen als Überlebensform, weil die bis dahin erworbene Bildung
keine selbständige Existenz ermöglichte