Lesefrucht

Thomas Kunst

Es wäre leicht zu zeigen, wie die besten
Gedichte hier verwahrlosen, gelassen
Im Untergrund in keine Gruppe passen:
Es hausen selbst in ihren kleinsten Resten
Soviel Magie und Tanz, dass sie gehasst
Und unbeteiligt ausgesondert werden:
Ersatzteillager sind, niemand gefährden,
Nicht mal verstummen lassen könnten fast
Hat es den Anschein hier im Land, als hätte
Bemühter Bildungslack die Herrschaft inne,
Verkümmertes Gedröhn, kein Sprachverstehen,
Nur Anempfundenheit und Daseinsglätte,
Doch niemals Poesie in meinem Sinne:
In zwanzig Jahren wird man weitersehen.

(für Ulrich Zieger)

aus: Der Literaturbote 107/108

Eine Art Bußpredigt gegen alles lau Angepasste.
“Jawohl, gib’s ihnen“,  möchte der Leser sagen,
zögert dann aber, ungewiss, ob er sich nicht schon selbst der Lauheit schuldig gemacht hat.

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