Lesefrucht

“Wenn nicht die Zuflucht der Phantasie wäre,
wenn sie nicht wären, die immer wieder, nach jedem Fertigsein
zu neuen Abenteuern und erregenden Versuchen weiter lockenden,
zu steigerndem Weitermachen verführenden Spiele und Unterhaltungen des  Fabulierens, der Gestaltung, der Kunst – ich wüsste nicht, wie zu leben, von Rat und guter Lehre für andere ganz zu schweigen.“ *

Tja, wer hat das wohl gesagt? – Einer, der mit seiner umständlichen Perfektion für manchen Jüngeren zum Ärgernis  geworden ist.

*) T.M., zitiert nach Safranskis Heidegger-Biographie, p 404

4 Gedanken zu “Lesefrucht

  1. aufgrund der initiale kann es hölderlin – der „liebe gott“ des voralpenflachdenkers* – nicht gewesen sein. auch wegen des inhalts war es vermutlich thomas mann.

    *gegenfrage: welcher rüpelhafte schriftsteller hat den lieben herrn heidegger so despektierlich tituliert? – es war ein österreicher.

    gruss, h.

    • Den Thomas Mann haben Sie wohl schnell erkannt – war ein Auszug seiner Rede in Lübeck, 1949.
      Leute, die von Heidegger nichts halten, gab und gibt es reichlich. Ich erinnere mich noch an den Moment, als Adorno in einer Vorlesung die Heideggersche Philosophie als “Quatsch mit Soße“ bezeichnete, sich also in dieser Sache so ungebremst emotional aus dem Fenster lehnte, wie das unter Wissenschaftlern des 16. Jhdts.üblich war.
      Der Österreichische Kritiker Heideggers könnte Wittgenstein gewesen sein; aber ich bekenn meine Unwissenheit in Ihrer Frage.
      Gruß, D.M.

      • kurz dachte ich an hermann hesse, doch das „fabulieren“ und ihr hinweis auf die umständlichkeit brachten mich schnell auf die spur.

        der rüpel war thomas bernhard – wobei nicht sicher ist ob es sich hier um begründete kritik handelt, oder ob die freude an der provokation die ursache seiner äusserung war.

        zum ende meines studiums war heidegger geradezu kult, die heideggerseminare von hannes böhringer platzten aus allen nähten. gerade in bezug auf medien- und kommunikationsphilosophie war/ist er wesentlich tiefgründiger und weitgeheder als die üblichen sog. progressiven verdächtigen.
        sicher haben seiner philosophie das anbiedern an die nationalsozialisten und die unsägliche rektoratsrede viele vorurteile eingebracht. ein schiksal welches er merkwürdigerweise, bei ähnlicher ausgangslage, nicht mit emil nolde teilt.

        gruss, h.

        • Ja, Thomas Bernhard hielt ich auch gleich für einen “Verdächtigen“, nur fiel mir nicht ein, in welchem Zshg. er sich wohl über Heidegger geäußert haben könnte.–
          Was die Ungleichbehandlung der beiden Faschistoiden betrifft: bunte Bilder machen einfach mehr Spaß, als schwierige bis verquaste Texte.–
          (Mich hat vor allem erstaunt, dass H. nach dem Krieg ausgerechnet von französischen Denkern so wichtig genommen wurde, von den Franzosen, die immer so stolz behaupten “Ce qui n‘est pas clair, n‘est pas français.“)
          Gruß, D.M.

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